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Land und Leute: Thomas Nast und die pfälzischen Wurzeln von Santa Claus

Die Ausgabe von Harper's Weekly mit dem Ur-Weihnachtsmann von 1863

Ausschnitt der Ausgabe von Harper's Weekly mit dem Ur-Weihnachtsmann von 1863. Von Thomas Nast - Son of the South, Bescherung bei den Soldaten, Titelbild in Harper's Weekly – 3. Januar 1863; gemeinfrei.

Thomas Nast

Foto Thomas Nast; gemeinfrei.

Santa Claus hat pfälzische Wurzeln. Die Figur des Weihnachtsmannes, wie wir ihn heute kennen: gutmütig, pausbäckig, mit rotem Mantel, geht zurück auf Zeichnungen des gebürtigen Landauers Thomas Nast. Der Auswanderer in die USA im 19. Jahrhundert karikierte den politischen Alltag und war ein beißender Kritiker gesellschaftlicher Missstände wie Diskriminierung, Korruption, Wettrüsten, Krieg und Umweltverschmutzung.

Santa Claus sitzt auf einer Art Feldbett. Um die Schulter hat er das Sternenbanner gelegt, an die Soldaten um ihn herum verteilt er Geschenke. Dieses Bild erschien 1863 auf der Titelseite des Magazins "Haper's Weekly" und zeigt den Weihnachtsmann, wie Nast ihn anfangs interpretierte. Er war zunächt etwas strenger, inspiriert vom "Belzenickel", den der Zeichner noch aus seiner pfälzischen Heimat kannte. Erst später wurde Nasts Weihnachtsmann gütiger, etwa 70 mal hat er ihn im Laufe seines Lebens gezeichnet. Doch Nast ist auch der Urvater anderer berühmter Figuren. So machte er die Figur des "Uncle Sam" bekannt und ist Schöpfer der bis heute verwendeten Symbolfigur der republikanischen Partei in den USA: des "Elefanten".

Nast wurde am 27. September 1840 in Landau in der Pfalz geboren und kam als Sechsjähriger mit seiner Mutter nach New York. Schon mit 15 Jahren stellte ihn Frank Leslie's Illustrated Newspaper als "berichtenden Künstler" ein. 1860 begleitete er als Reporter Garibaldis Militärkampagne in Sizilien. Seine politischen Karikaturen und Schlachtenzeichnungen während des Amerikanischen Bürgerkrieges für die Zeitschrift "Harper's Weekly" wurden berühmt. Präsident Abraham Lincoln bezeichnete ihn dafür als besten Rekrutierungsoffizier.

Für seine Ausstellung Grand Caricaturama (Link) zeichnete Nast in 33 großen Bildern die Geschichte der USA nach. Im Lauf seiner Karriere illustrierte er auch weit über 100 Bücher. Der Sturz der extrem korrupten New Yorker Administration, genannt "Tammany Hall", wurde Nasts entlarvenden Karikaturen zugesprochen. Nast wies einen Bestechungsversuch mit 500.000 Dollar durch William Tweed, "Boss" von "Tammany Hall", mit den Worten zurück, dass er sich schon lange entschieden habe, "ein paar der Herrschaften hinter Gitter zu bringen". Nasts Karikaturen waren so berühmt, dass Boss Tweed von einem spanischen Zollbeamten gefasst wurde, der ihn wegen Nasts Karikaturen erkannte.

Auch andere Künstler wurden von Nast beeinflusst: Das "Van-Gogh-Museum" in Amsterdam besitzt 21 Nast-Karikaturen, von denen van Gogh 15 in einem Album aufbewahrte. 1902 ernannte ihn Theodore Roosevelt zum amerikanischen Generalkonsul in Ecuador. Dort starb Nast am 7. Dezember 1902 an Gelbfieber. Harper's Weekly bezeichnete Nast im Nachruf als "Vater der amerikanischen Karikaturen."

Seit 1977 verleiht seine Heimatstadt Landau den Thomas-Nast-Preis. Nach ihm benannt ist die Thomas-Nast-Grundschule in Landau und nicht zuletzt der kunsthandwerkliche Thomas-Nast-Nikolausmarkt.

Mehr zu Thomas Nast gibt es beim Thomas Nast-Verein (Link: http://www.thomas-nast-verein-landau.de/) und in dieser Biografie (http://cartoons.osu.edu/digital_albums/thomasnast/bio.htm). Einen Überblick über sein Werk gibt es hier (http://thomasnastcartoons.com/)