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Theater

Die Möglichkeit Erlebtes durch eine Inszenierung zu begreifen und zu verarbeiten ist so alt wie die Menschheit selbst. „Die Bretter, die die Welt bedeuten“ boten dem Menschen von je her einen Raum sich mit seinem gesellschaftlichen Umfeld und Missständen auseinander zu setzen - in passiver und aktiver Form. Denn die inszenierte Darstellung erlaubt einen radikalen Blick auf das Reale, steckt in ihr doch immer die Möglichkeit, nur Fiktion zu sein. Auch dieses Jahr versuchen wir diesen Blick:

Mao, Sex und Happening: 1968

EIN SZENISCHES PROJEKT VON STUDENTEN DER THEATERWISSENSCHAFT DER JOHANNES GUTENBERG-UNIVERSITÄT MAINZ

In Kooperation mit der Fachhochschule Mainz, Studiengang Kommunikationsdesign. Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz.

Mainzer Studenten der Theaterwissenschaft brechen auf und folgen den Trampelpfaden der 68er. Dabei überqueren sie die Autobahnen kollektiver Erinnerung, fangen O-Töne ein, zerschneiden Zeitungsfahnen, stöbern in verstaubten Archiven nach Originalen und landen schließlich in einer Wohngemeinschaft mit maoistischem Weltgeist.

Hier wird die fiktive Wirklichkeit in einem Theater-Happening reanimiert: Theorie und Praxis des visionären Kollektivs werden hautnah auf dem Matratzenlager ausdiskutiert, ausgetestet und von der WG auf die Straße getragen.
Der Abschied von der Zwangsfamilie führt die Kommunarden von der Notwendigkeit in die Freiheit, vom Ich zum Wir. Internationale Solidarität und Orgasmusschwierigkeiten, Revolution und Kaufrausch: Bestimmt wirklich das Sein das Bewusstsein?
Unter der Leitung des Berliner Regisseurs Marcel Bugiel und der Frankfurter Dramaturgin Heike Wintz entsteht ein Theaterabend, der kritisch und lustvoll die Frage stellt, was die Menschen heute, was die Studenten selbst noch die 68er angehen; was ist ihr Erbe, wie fremd, wie vertraut sind ihre Ideen?

Mehr Informationen zu den Aufführungsterminen finden Sie auf der Internetseite des Szenischen Projektes.

Immer wieder versucht die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz mit den Mitteln des Theaters aktuelle oder historische kontroverse Themen zu bearbeiten und zu präsentieren.

So auch im Theaterstück „Kidnapping“, das die Landeszentrale 2005/2005 in Zusammenarbeit mit Givat Haviva Deutschland e.V. präsentierte.

Die Geschichte einer deutschen Journalistin, die über die aktuelle Lage Israels und den palästinensischen Gebieten recherchiert, basiert auf Interviews und eigene Erfahrungen der Autorin Dominique Caillat. Auf der Suche nach persönlichen Zeugnissen bereiste Caillat von 2002 bis 2004 Israel und die besetzten palästinensischen Gebiete. Ihre gesammelten Eindrücke durchlebt in ihrem Stück „Kidnapping“ die Hauptfigur Anna:

Zusammen mit zwei Freunden aus Kindertagen arbeitet Anna an einer Reportage über die Lage in Nahost. Doch die Beiden werden Opfer eines Selbstmordattentats. Trotzdem begleiten sie Anna – jetzt als Geister - weiterhin auf ihrer Reise und führen sie auf neue Wege. Auf der Suche nach „Fakten“ und „Wahrheiten“ gerät sie immer tiefer in einen Sumpf aus Gewalt und Vorurteilen. Sie wird entführt in eine Welt aus Freundschaft und Hass, im Gestern und Heute, und entdeckt dabei ihre eigene Identität und ein Stück neues Bewusstsein. 

„Kidnapping“ – Das Stück über den Nahost-Konflikt und über das schwierige Dreieck Deutschland-Israel-Palästina tourte nach seiner erfolgreichen Uraufführung im Staatstheater Mainz im Dezember 2004 bis März 2005 durch verschiedene Städte Deutschlands und der Schweiz.

Mit der deutsch-jüdischen Vergangenheit befassten sich die Stücke „Guck doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin“ und „I will bear Witness“, die die Landeszentrale 2003 und 2004 präsentierte.

In „Guck doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin!“ begab sich die Landeszentrale im Mai 2004 gemeinsam mit dem Institut für Theaterwissenschaft der Universität Mainz auf eine deutsch-jüdische Spurensuche. Das Wechselspiel zwischen deutscher und jüdischer Identität und dessen Einfluss auf das moderne deutsche Theater ist Thema des von Aristita Albacan und Susanne Schulz inszenierten Stücks. Künstlerischer Ausdruck dieser Suche ist eine musikalisch-theatrale Collage, die große Theatermacherinnen und Theatermacher wie Elisabeth Bergner, Rosa Valetti, Trude Hesterberg, Curt Bois, Alexander Granach, Leopold Jessner, Max Reinhardt oder Fritz Kortner präsentierte.

Besonders die Form des Kabaretts und die weltberühmten Chansons der Komponisten Friedrich Hollaender und Rudolf Nelson dienten als Mittel, um die künstlerischen Anschauungen, die Lebens- und Gesellschaftsentwürfe dieser Künstlerinnen und Künstler im Spannungsverhältnis der deutsch-jüdischen Identität sinnlich erfahrbar zu machen.

2003 feierte die Landeszentrale in Kooperation mit dem Amerikahaus in Frankfurt mit dem Off-Broadway-Stück „I will bear witness“ einen großen Erfolg. Das Ein-Personen-Stück ist eine szenische Bearbeitung der Tagebücher des deutschen Juden Victor Klemperer, der die Zeit von 1933 bis 1945 in Deutschland überlebte und seine Erlebnisse, Beobachtungen und Gefühle fest gehalten hat. Die Aufführung in englischer Sprache stieß auf außerordentlich große Resonanz beim Publikum wie bei den Medien. In der Rolle des Victor Klemperer überzeugte der US-Schauspieler George Bartenieff, dem es trotz der detailgenauen Schilderung des deutschen Alltags gelang, dem Publikum auch Klemperes (jüdischen) Humor zu vermitteln.