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Im Gespräch mit: Siegfried Pater - (Blut-)Diamanten - Ursache für Reichtum, Elend und Krieg

23.10.08
Ort: Mainz, Rathaus
Zielgruppe: Politisch interessierte Bürgerinnen und Bürger
Veranstalter: Landeszentrale für politische Bildung
Kooperationspartner: Koordination Lokale AGENDA 21 der Stadt Mainz
Ansprechperson: Dr. Rüdeger Schlaga
E-Mail-Kontakt: ruedeger.schlaga@politische-bildung-rlp.de
Veranstaltungsnummer: C 36/3

Einl_Blutdiamanten_final.pdf

Im Gespräch mit: Siegfried Pater
Über: „Blutdiamanten – Ursache für Reichtum, Elend und Krieg“
„Das reichste Land der Welt ist Angola“. Diese Aussage mag einen erst einmal verwundern. Hätte man die etwa 30 Zuhörer des Vortrags von Siegfried Pater am 23. Oktober 2008 im Mainzer Ratssaal im Voraus befragt, wäre wohl kein einziger auf Angola gekommen. Woran liegt das?
Zunächst muss man wissen, was hier mit Reichtum gemeint ist, nämlich Reichtum an Bodenschätzen wie Gold, Erdöl oder eben Diamanten. In den meisten anderen Bereichen jedoch ist Angola ein sehr, sehr armes Land. Nach UN-Angaben lebten 2001 zwei Drittel der angolanischen Bevölkerung von weniger als 1,70 US-Dollar pro Tag. Wie kann es aber sein, dass ein Land, das so reich ist an natürlichen Ressourcen wie Angola gleichzeitig zu den ärmsten Ländern der Welt gehört? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Buchautor und Filmemacher Siegfried Pater an diesem Abend. Er widmete sich dabei speziell dem Thema „Blutdiamanten“.
Blutdiamanten sind nach einer Definition der Vereinten Nationen Diamanten, die in von Rebellen kontrollierten Gebieten illegal geschürft und anschließend verkauft werden, um Kriege und Gewalt gegen anerkannte Regierungen oder andere Bürgerkriegsmilizen zu finanzieren. Genau das ist ein wichtiges Problem ressourcenreicher Länder. Der Wirtschaftswissenschaftler Paul Collier bezeichnet es als die „Ressourcenfalle“: Nicht nur, dass diese Länder extrem abhängig sind von ihren Rohstoffexporten, die Aussicht auf gute Geschäfte zum Beispiel mit den Diamanten führt immer wieder zu bewaffneten Konflikten und Bürgerkriegen. Ziel aller Seiten ist es, sich die rohstoffreichsten Gebiete zu sichern. Die Spirale der Gewalt behindert jegliche Entwicklung der betroffenen Länder. So war auch Angola 27 Jahre lang in einem Bürgerkrieg gefangen, den die Regierung mit Erdöl und die Rebellen der UNITA mit Blutdiamanten finanzierten.
Siegfried Pater zeigte zunächst einen kurzen Filmausschnitt aus einer Dokumentation der ARD zu Blutdiamanten. Dort wurde eindrucksvoll vermittelt, wie einfach es mit ein wenig Geld ist, Herkunftszertifikate für Diamanten zu fälschen. Diese Zertifikate sollen eigentlich sicherstellen, dass nur Diamanten auf dem Weltmarkt gehandelt werden, die aus anerkannten Fördergebieten stammen.
Anschließend ging der langjährige Entwicklungshelfer Pater auch auf die Rolle der westlichen Länder als Hauptabnehmer von Diamanten ein. Er kritisierte vor allem den weltweit größten Diamantenproduzenten und langjährigen Monopolisten De Beers. Zwar beteilige sich das Unternehmen am so genannten Kimberley-Prozess, der den Handel mit Blutdiamanten unterbinden soll. Allerdings bleibe der Diamanten-Riese weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.
In der folgenden Diskussion ging es darum, was der Einzelne vor Ort tun könne, um die Situation in den betroffenen Ländern zu verbessern. Pater riet dazu, sich bei einem geplanten Diamantenkauf beim Juwelier ganz konkret nach der Herkunft der Diamanten zu erkundigen und auf ein Zertifikat zu bestehen. Auch wenn das keine 100-prozentige Garantie sei. Von der Idee, gar keine Diamanten mehr zu kaufen halte er nichts, da die Menschen in den Abbauländern trotz allem auf die Erlöse angewiesen seien.
Bereichert wurde die Diskussion vor allem durch die Redebeiträge einer jungen Politikstudentin aus der Demokratischen Republik Kongo, die gerade in Mainz ihre Dissertation über Blutdiamanten verfasst hatte und die Auswirkungen des illegalen Abbaus auch in ihrem Heimatland schildern konnte.
Nur wenige Tage nach dem Vortrag eskalierten die Konflikte im Osten des Kongo erneut. Hunderttausende Menschen mussten vor den Rebellen des Generals Laurent Nkunda fliehen. Experten vermuten, dass es auch bei seinem Vormarsch auf die Stadt Goma wieder einmal auch um die Kontrolle von Bodenschätzen ging.

Bericht: Lisa Kim Breitenbruch 








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Menschen in einem Hörsaal