Mao, Sex und Happening: 1968 - Ein szenisches Theaterprojekt - Nachgespräch mit Ex-Kommune I-Mitglied Rainer Langhans

Ort: KUZ in Mainz, Dagobertstraße 20B
Zielgruppe: Schüler, Jugendliche, Studierende, Theaterinteressierte, sowie einfach Neugierige
Veranstalter: Landeszentrale für politische Bildung
Kooperationspartner: JGU Mainz, Institut für Theaterwissenschaft
Ansprechperson: Dr. Rüdeger Schlaga
E-Mail-Kontakt: ruedeger.schlaga@politische-bildung-rlp.de
| „1968“, ein szenisches Projekt von Studenten der Theaterwissenschaft an der Universität Mainz, wurde am 23. September 2008 im Mainzer KUZ in einer Wiederaufnahme aufgeführt. Zum Nachgespräch war Rainer Langhans, Mitbegründer der Kommune 1 und Symbolfigur der 68er-Bewegung gekommen. Das Theaterprojekt, in Kooperation mit der Fachhochschule Mainz, Studiengang Kommunikationsdesign, wird von der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz gefördert und war so erfolgreich gewesen, dass dieser Zusatztermin angesetzt wurde. Insgesamt haben das Stück jetzt über 1.300 Personen gesehen. Auch an diesem Abend waren mehr als 200 Menschen gekommen, um mit den Studenten „die Autobahnen kollektiver Erinnerungen“ zu überqueren. Zu sehen bekamen sie eine Gruppe junger Menschen, die versucht hatten, den Geist der 68er auf die heutige Zeit und ihre Gruppe zu übertragen: Die Bühne wurde zu einer großen, chaotischen WG. Das Theaterstück ist praktisch das Ergebnis einer Vorbereitungszeit von nur drei Wochen, in denen die Studenten beinahe rund um die Uhr an seiner Fertigstellung gearbeitet haben. Dabei haben sie selbst fast wie in einer Kommune gelebt: Alles wurde gemeinsam diskutiert und beschlossen, gemeinsam gekocht und gegessen… „Nur zum Schlafen sind wir alle noch nach Hause gegangen“. In dieser Zeit führten sie auch vier „Happenings“ in der Innenstadt von Mainz durch, deren Videoaufnahmen im Hintergrund des Stücks zu sehen waren. „Das war eine Karikatur, was ihr daraus gemacht habt. Ihr habt uns ironisiert. Wir haben damals, weiß Gott, etwas ganz anderes gefühlt“ war Rainer Langhans’ erste Reaktion auf das Stück. Man merkte, dass er verletzt war. Doch sofort meldeten sich die jungen Schauspieler zu Wort: So wollten sie ihr Stück nicht verstanden wissen. Es sei ihnen nicht darum gegangen, die 68er „lächerlich“ zu machen. Viel eher sei das Stück das Ergebnis ihres Selbstversuchs. Bei ihrem Experiment, die Ideale und Gedanken der 68er in die Gegenwart zu übersetzen, seien sie gescheitert. Es war ihnen in ihrer Gruppe nicht gelungen, diesen „Geist der Freiheit“ und dieses „unglaublich helle Licht“, von denen Langhans sprach, zu spüren. Eben jenes Scheitern sei das eigentliche Thema des Stücks. Die Arbeit an dem Projekt hat die jungen Menschen dazu angeregt, sich intensiv mit der politischen Vergangenheit ihres Landes und mit ihrer eigenen politischen Haltung auseinander zu setzen. Viele von ihnen ziehen aus dieser Erfahrung des Scheiterns, für sich und für die Gruppe, dennoch eine positive Bilanz: „Wieder mehr an die wirklich wichtigen Dinge denken“. Und, wie Rainer Langhans in einer späteren E-Mail an die LpB schrieb, habe auch er noch „viel gelernt“ an diesem Abend. Auch als Zuschauer kam man nicht umhin, sich Gedanken zu machen und diesen Ausdruck des Bedauerns an die heutige junge Generation zu spüren. An eine Generation, die aufgewachsen ist in einer Zeit des Wohlstands und der weitgehenden materiellen Sorglosigkeit. Die kaum für etwas wirklich kämpfen musste und so auch den Geist einer Bewegung wie der der 68er nie zu spüren bekam. Die jetzt das Gefühl hat, das „die Zeiten sich geändert haben“ und gefangen ist in ständigen, persönlichen Zukunfts- und Existenzängsten in einer immer komplizierter werdenden Welt. Die sich plötzlich nach der verklärten Geborgenheit und Heimeligkeit einer Welt sehnt, gegen die die 68er sich gerade aufgelehnt hatten. Ein Zitat aus dem Stück: „Wenn 1968 heute wäre, dann wäre, befreit von der Angst um die eigene Zukunft, wieder mehr Raum dafür da, über die Zukunft der Gesellschaft nachzudenken. Und in diesem Sinne zu handeln. Und die Spießer wären endlich wieder die anderen“. |
Heftige Kontroversen über "1968" bewegten Rainer Langhans, eine der "Ikonen" der 68er Bewegung, hier mit dem Moderator des Abends Dietmar Brück (Rhein-Zeitung) Eine der Schauspielerinnen vom Institut für Theaterwissenschaft wehrt sich gegen den Vorwurf, sie hätten 1968 als Zerrbild dargestellt. Bis kurz vor Mitternacht dauerte die heftige und kontroverse Diskussion. |
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