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175 Jahre Hambacher Fest

"Der Deutschen Mai": Das Hambacher Fest von 1832 - die erste demokratische Massendemonstration in Deutschland

Vaterland – Freiheit – ja! Ein freies deutsches Vaterland."

Philipp Jakob Siebenpfeiffers Zusammenfassung der Botschaft des Hambacher Festes vom Mai 1832 ergänzte Johann Georg August Wirth, der zweite Hauptredner, um den Gedanken der „brüderlichen Vereinigung" der Patrioten aller europäischen Nationen: „Hoch! Dreimal hoch leben die vereinigten Freistaaten Deutschlands! Hoch! Dreimal hoch das conföderirte republikanische Europa!"

Freiheit und Einheit hatten es im Verlauf der seitdem vergangenen 175 Jahre deutscher Geschichte immer schwer. Nur für kurze Zeit konnten Nationalstaat und Demokratie zusammen realisiert werden.

Die friedliche Revolution der Bürgerinnen und Bürger der DDR im Herbst 1989 schuf die Voraussetzung für die Wiedervereinigung der Nation. Aber nur als Teil der Europäischen Union und zusammen mit der gleichzeitigen Vertiefung der europäischen Einigung konnte die Bundesrepublik als demokratischer Nationalstaat neuer Prägung im Einvernehmen mit den Siegermächten von 1945 und den europäischen Nachbarn am 3. Oktober 1990 neu begründet werden.

Der angeblich fehlende Sinn der Hambacher für „Realpolitik", das Überschwängliche und das Visionäre dieser „Bergreden der deutschen Einheit und Freiheit" (Heuss) sind seit 1832 oft als Ursachen des kurzfristigen Scheiterns kritisiert worden.

Am Ende haben die großen Forderungen und Visionen des Hambacher Festes dann aber doch noch über alle Rückschläge und Katastrophen der deutschen Geschichte hinweg triumphiert.

In den Jahren seit dem 150. Jahrestag des Festes, im Jahre 1982, hat sich deshalb in der Geschichtswissenschaft und in der öffentlichen Debatte zunehmend als gemeinsame Auffassung herausgebildet, dass das Hambacher Fest am Anfang von „Deutschlands langem Weg nach Westen" (Winkler) stand, am Anfang aber auch der vielen Schwierigkeiten der Deutschen, die „Freiheit in Einheit" oder die „Einheit in Freiheit" zu verwirklichen.

 

 

 

Der Sammelband zum Jubiläum des Hambacher Festes: In Sonderausgabe bei der Landeszentrale erhältlich

Der von Joachim Kermann, Gerhard Nestler und Dieter Schiffmann herausgegebene Sammelband "Freiheit, Einheit und Europa. Das Hambacher Fest von 1832 - Ursachen, Ziele und Wirkungen", der Ende 2006 im Verlag promessage in Ludwigshafen a. Rhein erschienen ist, ist in einer Sonderausgabe der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz - zu den üblichen Bestell- und Abgaberegelungen - erhältlich. 

In dem 416 Seiten starken, reich illustrierten Band präsentieren namhafte Autorinnen und Autoren den Forschungsstand zu den politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen und Wirkungen dieser ersten demokratischen bürgerlichen Massendemonstration in Deutschland. Die handelnden Personen, nicht nur aus der ersten Reihe der Organisatoren und Redner, und ihr Schicksal unter den harten Repressionsmaßnahmen des Deutschen Bundes bilden einen weiteren Schwerpunkt. Im letzten Teil werden das 175 Jahre währende politische Ringen in Politik, Publizistik und Geschichtswissenschaft um "das Erbe von Hambach" und die heutige Stellung des Hambacher Festes als "Deutscher Erinnerungsort" analysiert.

  

Publikation der Landeszentrale zum Hambacher Fest erschienen: "Hambach 1832. Deutsches Freiheitsfest und Vorbote des europäischen Völkerfrühlings"

Broschüre "Hambach 1832"

Zum 175. Jahrestag des Hambacher Festes veröffentlichte die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz eine 64-seitige Broschüre zum Hambacher Fest veröffentlicht. Dr. Wilhelm Kreutz, Privatdozent an der Universität Mannheim, legte unter dem Titel "Hambach 1832. Deutsches Freiheitsfest und Vorbote des europäischen Völkerfrühlings" eine reich illustrierte Darstellung der Ursachen, Ziele, Akteure und der Nachwirkungen vor. In einem Vergleich mit dem Wartburgfest von 1817 arbeitete er den besonderen Charakter der Massendemonstration auf dem Hambacher Schloss in der Geschichte des deutschen Vormärz und den Stellenwert der Feste und Feiern bei der Konstituierung einer oppositionellen öffentlichen Meinung heraus. Die Broschüre ist bei der Landeszentrale für politische Bildung zu den üblichen Bedingungen kostenlos erhältlich.

 

 

 

Für die erste Information: "Das Hambacher Fest - 27. Mai 1832" in der Reihe der "Blätter zum Land" erschienen

In der Reihe der Landeszentrale "Blätter zum Land" ist die Broschüre zum Hambacher Fest in einer völligen Neuausgabe erschienen. Dr. Hannes Ziegler, ausgewiesener Kenner der Geschichte des Hambacher Festes hat in der 8-seitigen Broschüre "Das Hambacher Fest - 27. Mai 1832" eine kurz gefasste und pointierte Darstellung der historischen Vorgänge auf dem Hambacher Fest vorgelegt, in der er auch den Gründen für das Scheitern der Bewegung nachgeht. Der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Dr. Dieter Schiffmann, wies bei der Präsentation dieser Neuausgabe darauf hin, dass die LpB damit für unterschiedlichste Zielgruppen jeweils ein Informationsangebot zum Hambacher Fest bereithält: Mit dem großen Sammelband "Freiheit, Einheit und Europa" könne auch wissenschaftlichen Interessen gedient werden, während die Broschüre "Hambach 1832. Deutsches Freiheitsfest und Vorbote des europäischen Völkerfrühlings" einen vertieften ersten Zugang zum Thema ermöglichen und das neue "Blatt zum Land"  die gebündelte rasche Grundinformation bereitstellen soll.

 

 

 

 

Jubiläum Hambacher Fest: Richard von Weizsäcker hielt die Festrede

Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat die
Festrede beim Festakt des Landes zum 175. Jubiläum des „Hambacher Fests" gehalten. Im Hambacher Schloss wurde am 26. Mai 2007 an das bedeutende Ereignis der deutschen Demokratie-Geschichte erinnert. Richard von Weizsäcker versicherte in einem Brief an Ministerpräsident Kurt Beck, „dass ich mich mit dem Lande Rheinland-Pfalz verbunden weiß".

Nach Weizsäckers Worten ist das Hambacher Fest „ein herausragendes Ereignis für uns Deutsche auf dem Weg unserer Verfassungsgeschichte und nationalen Einheit". Neben Richard von Weizsäcker sprachen beim Festakt auch Ministerpräsident Kurt Beck und Landtagspräsident Joachim Mertes.

 

Ministerpräsident Beck: Jubiläum ist Grund zur Dankbarkeit und Freude

„Das Hambacher Fest war für die Anfänge der deutschen Demokratie die erste Station. Für die Deutschen ist das 175-jährige Jubiläum ein Grund zur Freude. Denn die Forderungen nach der Freiheit des Einzelnen, der Einheit Deutschland und der Zusammenarbeit der europäischen Völker sind weitgehend verwirklicht“, sagte Ministerpräsident Kurt Beck beim Festakt auf dem Hambacher Schloss, zu dem er gemeinsam mit Landtagspräsident Joachim Mertes eingeladen hatte. „Wir wollen in einer nachdenklichen, aber doch fröhlichen Veranstaltung an die große Bedeutung dieses historischen Ereignisses erinnern.“

Beck dankte dem ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker für seine Bereitschaft, zu diesem Anlass die Festrede zu halten. Dies unterstreiche die besondere Verbundenheit Weizsäckers mit Rheinland-Pfalz. Musikalisch wurde die Feierstunde von ehemaligen Stipendiaten der Villa Musica Rheinland-Pfalz umrahmt. Die Barden Hein & Oss, die schon beim 150-jährigen Jubiläum dabei waren und noch in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag feiern, spielten Lieder aus dem Vormärz.

„Das Jubiläum ist auch Anlass, selbstkritisch zu prüfen, ob das Erreichte genügt, ob es noch lebendig und nicht gefährdet ist“, so Kurt Beck. Daraus würden sich für ihn die Ziele ergeben, die innere Einheit Deutschlands weiter zu festigen, die Solidarität in der Gesellschaft zu stärken und die Europäische Einigung durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit voranzutreiben.

Unter den 250 geladenen Gästen konnte Ministerpräsident Beck auch Nachfahren der deutschen Freiheitskämpfer und Delegationen aus den Partnerregionen Oppeln und Burgund begrüßen.

„Die Hambacher Fahne weist uns den Weg vom Hambacher Schloss hin in den Plenarsaal des Landtags von Rheinland-Pfalz – gleichsam von der ‚Wiege der Demokratie’ zum ‚Herzen der heutigen parlamentarischen Demokratie’ in unserem Land“, sagte Landtagspräsident Joachim Mertes. Nicht von ungefähr hänge eine der Original-Fahnen des Hambacher Festes auch im Plenarsaal des Landtags. Sie erinnere an den langen und opferreichen Kampf um die dauerhafte und feste Verankerung der Demokratie in Deutschland. Sie erinnere an 1832 und an die deutsche Revolution von 1848. Sie erinnere auch an die Weimarer Nationalversammlung und an die radikalen Republikverächter, die diese Farben beschimpften, und auch an die Nationalsozialisten, die glaubten, die Demokratie und ihr Symbol 1933 auslöschen zu können.

„Die Forderungen der Hambacher Patrioten, allen voran Phillip Jakob Siebenpfeiffer, Johann Georg August Wirth und Friedrich Hecker, sind bei uns nach langen Kämpfen, Widerständen und Rückschlägen eingelöst. Die Hambacher Forderungen nach Freiheit, Einheit, freiheitlichen Bürgerrechten und freier Presse haben es in sich: Davor müssen sich bis heute Machthaber und Usurpatoren fürchten“, so Mertes.

 

175 Jahre nach dem Hambacher Fest: Das Grundgesetz ein 'Renner'

Auch die Landeszentrale für politische Bildung war am Festwochenende mit einem Informationsstand im Innenhof des Hambacher Schlosses vertreten. Die Broschüren und Materialien zum Hambacher Fest und zur rheinland-pfälzischen Landesgeschichte  waren heiß begehrt, wie Direktor Dr. Dietere Schiffmann anschließend feststellen konnte: "Zu Tausenden ein hoch interessiertes Publikum, wie man es selten findet. Dass es nicht nur historisches Interesse war sondern ein ausgeprägtes Interesse an Fragen unseres demokratischen Systems, was die Menschen nach Hambach geführt hat, zeigt, dass unsere aktuelle Ausgabe des Grundgesetzes schlichtweg der 'Renner' war. Unser in Hambach präsentierter Bestand von rd. 1.500 Exemplare war innerhalb von eineinhalb Tagen vergriffen."

 

Vom 13. bis 14. Juni 2007 fand auf dem Hambacher Schloss ein Kongress zum Thema "Pressefreiheit und Demokratie. 175 Jahre Hambacher Fest" statt, der federführend von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Deutschen Journalistenverband veranstaltet wurde. Die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz war Partner dieses Kongresses.

Als im Oktober 1962 die Redaktionsräume des „Spiegel“ durchsucht wurden, waren die Schlagzeilen riesig, gingen Menschen in ganz Deutschland auf die Straße. Als im September 2005 der Zeitschrift „Cicero“ Gleiches widerfuhr, war dies allenfalls ein Thema für die Fachmedien. Die Reaktionen in der Öffentlichkeit waren verhalten.
Vielleicht sind wir uns allzu sicher: Wir leben in einem Land, dessen Gesetze die Freiheit der Meinungsäußerung und der Medien schützen. Doch wer seine Rechte wahrnimmt, hat einen mühsamen Weg vor sich. Und im zusammenwachsenden Europa haben deutsche Verfassungsrichterinnen und -richter häufig nicht mehr das letzte Wort. Die höchsten Richterinnen und Richter müssen sich immer wieder mit presserechtlichen Einschränkungen und Übergriffen befassen, das bedeutet: Im Alltag sehen Beamte, Polizisten, Staatsanwälte und Richter die Pressefreiheit keineswegs immer als besonders schützenswertes Gut an. Da wiegen die Autorität des Staates, das Eigeninteresse von Institutionen und das Persönlichkeitsrecht prominenter Zeitgenossen im Zweifel höher. Nicht nur vom Staat gehen Übergriffe aus. Pressionen mächtiger Unternehmen sind kaum leichter auszuhalten und juristisch schwer abzuwehren.
Wo stehen wir in Sachen Pressefreiheit – in Deutschland, in Europa? Nicht nur eine Bestandsaufnahme ist angebracht, sondern eine eingehende Diskussion darüber, wie Journalistinnen und Journalisten die Freiheit der Berichterstattung sichern können, denn die Verteidigung der Pressefreiheit ist erste Bürgerpflicht.
Der Kongress sollte Mut machen, Übergriffe und Einschüchterungen nicht einfach hinzunehmen, sondern im Alltag für die verfassungsmäßig verbürgten Rechte der Presse einzutreten. Nicht von ungefähr fand der Kongress „Pressefreiheit und Demokratie“ auf dem Hambacher Schloss statt – an jenem Ort, der vor genau 175 Jahren Schauplatz einer vom „Preßverein“ organisierten kraftvollen Manifestation für Demokratie und Freiheitsrechte und dabei vor allem für die Pressefreiheit war. So wie das Hambacher Fest von 1832 aus der Entwicklung der Demokratie in Deutschland nicht mehr wegzudenken ist, so notwendig ist die Pressefreiheit im demokratischen Alltag – heute und in Zukunft.